die richtige zielgruppe finden

Keine Massenware, keine Kunden?

Keine Angst. Der Titel klingt vielleicht erst einmal schief. Ich will zeigen, dass man mit handwerklichen, guten Produkten nicht auf den "Standard"-Kunden setzen muss.

Manufaktur & Handwerk

Da fällt mir als Altsprachler beim Schreiben doch gerade auf, dass die Zwischenüberschrift totaler Blödsinn ist. Das lateinische manufactum bedeutet schließlich ja auch nur "von Hand gemacht".

Aber ich will hier ja keine Wortanalyse betreiben.

Handwerklich hergestellte Produkte haben schon vom Aufwand her zwangsläufig höhere Produktionskosten. Fast immer gibt es aber auch noch eine Menge anderer Faktoren (Rohstoffe, Personalkosten, etc.) die beim Handwerk höher sind als bei industriell (Massen-)Produktion (oder dem Import aus Billiglohnländern).

Eine Manufaktur, ein Hof mit eigenen verarbeiteten Produkten, selbst ein Rohprodukt wie Milch, beispielsweise aus müttergebundener Aufzucht, kann in den seltensten Fällen beim Preis mit alltäglicher Massenware konkurrieren. Und wenn, dann nur unter Selbstausbeutung.

Dein Preis, Dein Wert

Sich selbst auszubeuten ist langfristig aber einfach keine Option. Man selbst leidet und das Umfeld auch. Die eigene Produktion ist aufwändig genug. Da sollte in meinen Augen auch die finanzielle Anerkennung am Ende stimmen.

Am Ende spiegelt sich (vielleicht leider) im Preis den Kunden bereit sind zu zahlen auch eine Wertschätzung unserer Arbeit und damit von uns selbst wider.

Andererseits zeigen viele Studien, dass Kunden etwas stärker wertschätzen, wenn sie dafür einen höheren Betrag gezahlt haben.

Wenn wir also Menschen finden die zu unseren Produkten und unserer Philosophie passen, haben wir die Gelegenheit wertschätzende Preise zu verlangen, ohne immer durch Marketing rechtfertigen zu müssen wieso der Preis "so hoch ist".

Nicht Deine Zielgruppe

Wenn man das versucht (beim Preis mitzuhalten) begeht man zwangsläufig den Fehler zu denken, dass man sich als Hersteller "im Kampf" um die gleichen Kundengruppen/Zielgruppe befindet.

Aber ist die Zielgruppe von Müller/Sachsenmilch, von Aldi, Penny oder Netto wirklich diejenige, die Du mit Deinen Produkten, Deiner Arbeit ansprechen und gewinnen willst? Willst Du wirklich mit diesen Industrie- und Handelsschwergewichten in den Ring steigen und um die gleichen Kunden "boxen"?

Ich sage ganz klar: Nein!

Natürlich wäre es schön, wenn alle Milch (ich bleibe mal bei dem Beispiel) aus müttergebundener Aufzucht käme. Aber die Realität sagt, dass es viele Menschen gibt, die sich das im aktuellen System (leider) nicht leisten können.

Und natürlich gibt es auch viel zu viele, die sich das nicht leisten wollen.

Und selbst Menschen, die in Hofladen einkaufen sind nicht zwangsläufig Teil Deiner Zielgruppe. Ich erinnere mich an ein Erlebnis meiner Freundin beim Einkauf in Wulksfelde.

Dort hatte sie angehört, wie sich eine Kundin darüber ausgelassen hat, dass eine Kiwi für 49 Cent doch wohl unverschämt teuer sei.

Wie gesagt: Es wäre schön, wäre das anders. Und ja - wir alle sind auch in der Verantwortung Bewusstsein für die echten Kosten von Lebensmitteln zu schaffen.

Keine Kunden

Wie gesagt sind das nicht Deine Kunden. Und Du solltest auch nicht versuchen auf sie zu zielen.

Die Wahrscheinlichkeit diese Personen mit Deinen Produkten und Deinem Preis zu erreichen ist sehr gering. Du müsstest immer bergauf um sie ringen.

Du wärst dauerhaft und durchgehend damit beschäftigt Dich und Deine Produkte, vor allem aber Deine Preise, zu erklären. Dauerhaft damit beschäftigt eben jenes Bewusstsein zu schaffen, von dem oben die Rede war.

Und ja, diese Art der Kommunikation kann sinnvoll sein. Unabhängig von der angesprochenen Zielgruppe. Sie ist sinnvoll und notwendig. Aber sie ist eben nur ein Teil einer umfassenden Kommunikationsstrategie.

Leichter wird es, wenn Du Dich, Deine Marke und Deine Kommunikation von Anfang an auch darauf richtest Menschen zu erreichen, deren Werte und Einstellungen kompatibler sind. Bei denen der Aufwadn hinsichtlich der Bewusstseinsschaffung geringer ist. Die dieses Bewusstsein bereits haben und denen gute Lebensmittel (oder andere gut und wertig produzierte Produkte) den entsprechenden Preis auch wert sind.

Für die der Begriff "preiswert" nicht "billig" beduetet, sondern etwas, das seinen Preis wert ist.

Dein Preis, Deine Geschichte, Deine Werte

Hinter Deinem Unternehmen, Deinen Produkten und Dir steckt eine Geschichte. Diese Geschichte ist es wert erzählt zu werden. Und sie bietet Deinen Kunden einen Identifikationspunkt. Und ie bietet den Menschen, die nicht Deine Kunden werden vielleicht einen Punkt Dir zu widersprechen. Und auch das ist gut so.

Deine Werte und Deine Geschichte helfen Dir Dich zu positionieren. Sie dienen aber auch als Filter. Sie filtern die Menschen heraus, die diese Werte teilen und Deine Gechichte nachvollziehen können. Diese Menschen sind es, die aufgrund ihrer Werte und ihrer Erfahrungen deutlich näher an Deinen Produkten stehen und somit für Dich als potentielle Kunden deutlich leichter zu erreichen sind.

Echte Werte

Wichtig ist hierbei, dass Du authentisch bist und bleibst. Viel zu oft werden Werte und Geschichten heute benutzt um Menschen im Glauben zu lassen, dass sie wertige, nachhlatige Produkte kaufen. Dass mit ihrer ökonomischen Entscheidung etwas in der Welt verbessert wird. Greenwashing ist nur eines der Gesichter dieses Januskopes.

Sei Du selbst. Nicht eine Maske von der man glaubt damit besser zu verkaufen.

Ich will es hier noch einmal betonen. Natürlich wirst Du Widerstand erfahren, wenn Du Deine Werte in die Welt trägst. Das ist erwartungskonform. Du würdest aber auch Widerstand erfahren, wenn Du vermeintliche Werte in die Welt trägst.

Nur wenn Du für nichts stehst wirst Du (vermutlich) auch keine Kritik ernten. Aber selbst das ist nicht garaniert.

Und wenn Du mit Deiner Geschichte und Deinen Werten für etwas stehst werden die Menschen das merken. Und gerade deshalb hinter Dir stehen und Dich unterstützen. Es geht hier nicht um Tricks aus der Marketingkiste. Es geht hier darum, wie man nachhaltig und langfristig mit den Menschen die bie uns kaufen umgeht. Und mit sich selbst.

Echte Wertschätzung

Daher solltest Du zu dem stehen, was Du tust. Und wer Du bist. Du solltest Dich ebenso wertschätzen, wie Du die Menschen wertschätzt für die Du all das machst. Deine Familie, Deine Mitarbeiter, Deine Kunden und Dich selbst.

Schätze Dich wert. Und lass Dich auch von anderen Wertschätzen. Sei preiswert. Deinen Preis wert.